{"id":381201,"date":"2021-11-18T11:52:32","date_gmt":"2021-11-18T19:52:32","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.webex.com\/uncategorized-de\/kreativitat-und-zusammenarbeit-in-der-gruppe-ein-interview-mit-dr-r-keith-sawyer\/"},"modified":"2021-11-18T11:52:32","modified_gmt":"2021-11-18T19:52:32","slug":"kreativitat-und-zusammenarbeit-in-der-gruppe-ein-interview-mit-dr-r-keith-sawyer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.webex.com\/de\/zusammenarbeit\/hybrides-arbeiten\/kreativitat-und-zusammenarbeit-in-der-gruppe-ein-interview-mit-dr-r-keith-sawyer\/","title":{"rendered":"Kreativit\u00e4t und Zusammenarbeit in der Gruppe: ein Interview mit ..."},"content":{"rendered":"<p><strong>In seinem 2007 ver\u00f6ffentlichten Werk <\/strong><a href=\"https:\/\/books.google.com\/books?id=snnUjwEACAAJ\"><br \/>\n <strong>Group Genius: The Creative Power of Collaboration<\/strong><br \/>\n<\/a><strong> besch\u00e4ftigte sich Dr. R. Keith Sawyer mit der Idee, dass Zusammenarbeit Innovationen f\u00f6rdert. Zu dem Zeitpunkt war das eine radikale These, eine, die in einem deutlichen Widerspruch zu der immer noch weit verbreiteten individualistischen Sichtweise stand, dass Innovationen in erster Linie von einem ausgesprochen seltenen mythischen Lebewesen stammen: dem einsamen Genie. Mit der Ver\u00f6ffentlichung seines neuen Buches <\/strong><a href=\"https:\/\/www.google.com\/books\/edition\/The_Creative_Classroom\/GJGnDwAAQBAJ\"><br \/>\n <strong>The Creative Classroom: Innovative Teaching for 21<sup>st<\/sup> Century Leaders<\/strong><br \/>\n<\/a><strong> setzt Dr. Sawyer seine jahrzehntelangen Bem\u00fchungen fort, die zahlreichen Verbindungen zwischen Kreativit\u00e4t, Zusammenarbeit und Lernen nachzuvollziehen. <\/strong><a href=\"https:\/\/ed.unc.edu\/people\/r-keith-sawyer\/\"><br \/>\n  <strong>Dr. Sawyer<\/strong><br \/>\n<\/a><strong> hat sich trotz seines engen Terminplans an der School of Education der University of North Carolina, an der er als Morgan Distinguished Professor of Educational Innovations besch\u00e4ftigt ist, Zeit genommen, uns das Thema Kreativit\u00e4t und Zusammenarbeit n\u00e4herzubringen. Kommen wir direkt zum Punkt.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Amanda Holst: <\/strong>K\u00f6nnen Sie mir etwas \u00fcber die Urspr\u00fcnge Ihrer Forschungsarbeit zur Kreativit\u00e4t von Gruppen erz\u00e4hlen?<\/p>\n<p><strong>Keith Sawyer: <\/strong>Ich tue nichts lieber, als \u00fcber meine Forschung zu sprechen! Ich w\u00fcrde sagen, sie geht auf mein Interesse an improvisierter Musik zur\u00fcck. Ich bin Jazzpianist und spiele seit der Mittelstufe Klavier. Ich hatte sogar ein paar Auftritte am letzten Wochenende. Ich fand es immer schon faszinierend, gemeinsam mit anderen Musik zu machen.<\/p>\n<p>Vielleicht analysiere ich zu viel, aber ich frage mich oft, was wohl passiert, w\u00e4hrend ich spiele. Wie sehen die Interaktionen zwischen mir und den anderen Musikern aus? Alle improvisieren, und niemand wei\u00df, was er als N\u00e4chstes tun wird. Und man wei\u00df erst recht nicht, was die <em>anderen<\/em> als N\u00e4chstes tun werden. Es ist sehr flexibel und unvorhersehbar. Selbst wenn man sich vorgenommen hat, etwas Bestimmtes zu tun, muss man seine Pl\u00e4ne m\u00f6glicherweise wieder \u00e4ndern, wenn jemand anderes etwas getan hat.<\/p>\n<p>Planung ist in diesem Sinne also nicht so g\u00fcnstig, denn wer plant, h\u00f6rt nicht richtig zu. Man konzentriert sich zu sehr darauf, was man tun m\u00f6chte.<\/p>\n<p>Ich habe mich auch viele Jahre lang mit Chicagoer Improvisationstheater besch\u00e4ftigt. Ich war Pianist in einigen Improvisationsgruppen dort, und diese pers\u00f6nlichen Erfahrungen haben mein Interesse an Kreativit\u00e4t und Zusammenarbeit in Gruppen geweckt.<\/p>\n<h2><strong>AH: Welche wichtigen Erkenntnisse haben Sie durch Ihre Forschung zur kreativen Kraft der Zusammenarbeit gewonnen?<\/strong><\/h2>\n<p><strong>KS: <\/strong>In den 90er Jahren habe ich festgestellt, dass diese Art der Improvisation sich gut auf den Alltag \u00fcbertragen l\u00e4sst. Ich habe Anfang der 2000er Jahre begonnen, Artikel in Zeitschriften und einige wissenschaftliche Publikationen zu ver\u00f6ffentlichen. Etwa 2005\u20132006 erkannten die ersten Unternehmen, dass Innovation oft von Zusammenarbeit unterst\u00fctzt wird.<\/p>\n<p>Davor dachten sie, sie w\u00fcrden innovativer sein, wenn sie mehr kreative Mitarbeiter einstellen. Diese Menschen h\u00e4tten dann bessere Ideen und das Unternehmen k\u00f6nnte mehr Patente anmelden oder so etwas. Der Schwerpunkt lag jedoch auf Talent und darauf, wirklich kreative Mitarbeiter einzustellen.<\/p>\n<p>Etwa zu dieser Zeit verbreitete sich allerdings die Erkenntnis, dass es in Wirklichkeit Teams sind, die zusammenarbeiten und so Kreativit\u00e4t und Innovation hervorbringen. Meine Forschung passte perfekt dazu.<\/p>\n<blockquote><p><strong>\u201eSelbst bei den legend\u00e4ren Momenten, in denen jemand ein Aha-Erlebnis hatte, erkennt man, wenn man ein wenig unter die Oberfl\u00e4che blickt, immer, dass dem Moment eine Zusammenarbeit vorausgegangen ist.\u201c<\/strong><\/p><\/blockquote>\n<p>Meine Botschaft war insofern einzigartig, als dass sie gezeigt hat, dass die kreativsten, kooperativsten Teams die sind, die am ehesten wie ein Improvisationsensemble funktionieren. Dort wird das eigene Handeln viel mehr vom Zuh\u00f6ren und Reagieren bestimmt als von unabh\u00e4ngig geplanten Reaktionen.<\/p>\n<p>Wenn man sich im Kopf ein Skript zurechtlegt, plant man mehrere Dialogzeilen weit voraus. Dabei stellt man sich in der Regel auch vor, was die anderen Mitglieder der Gruppe als N\u00e4chstes tun werden\u00a0\u2026 und genau das tun sie nat\u00fcrlich nie.<\/p>\n<p>Dasselbe beobachte ich bei organisatorischen Teams. Wenn diese Improvisationsmerkmale aufweisen, sind sie oft innovativer.<\/p>\n<h2><strong>AH: Sind Ihnen noch weitere L\u00fccken bei der Erforschung kreativer Gruppenzusammenarbeit in Teams und Organisationen aufgefallen?<\/strong><\/h2>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><strong>KS<\/strong>: Eine meiner Schl\u00fcsselfragen lautete: Was macht eine <em>Gruppe<\/em> innovativ oder kreativ?<\/p>\n<p>Gruppenkreativit\u00e4t ist eine Art der Gruppeninteraktion, bei der niemand aus der Gruppe wei\u00df, was geschehen wird. Niemand kann etwas vorhersagen. In diesem Fall kann nichts, was auf der Gruppenebene geschieht, einer einzelnen Person zugeschrieben werden. Auf diese Weise hat <em>die Gruppe<\/em> beispielsweise nach einem einst\u00fcndigen Meeting eine Idee gehabt.<\/p>\n<p>Die Perspektive ver\u00e4ndert sich. Es ist nicht mehr eine einzelne Person, der die Leistung der ganzen Gruppe zugeschrieben wird, sondern es hei\u00dft: \u201eHey, <em>wir<\/em> haben diese tolle Idee gehabt!\u201c Meiner Meinung nach kommen die besten Kreationen von Gruppen. Diese Vorstellung von der <em>kollaborativen Emergenz<\/em> ist in meinen Arbeiten sehr wichtig.<\/p>\n<p>Dahinter steht die Idee, dass das Ganze gr\u00f6\u00dfer ist als die Summe seiner Teile. Wenn in einem Team beispielsweise f\u00fcnf Personen miteinander interagieren, dann ist das Team gr\u00f6\u00dfer als nur die f\u00fcnf Personen im Raum. Es hat eine kollektive Eigenschaft, und das, was erarbeitet wird, sollte dementsprechend dem Kollektiv zugeordnet werden.<\/p>\n<p>Die theoretische Auseinandersetzung mit dem Kollektiv erweist sich als ziemlich kompliziert, weil es letztendlich nur f\u00fcnf Personen sind. Wie kommt es also, dass man analytisch \u00fcber die Beziehung dieser f\u00fcnf Personen untereinander nachdenkt, aber auch \u00fcber dieses kollektive Ph\u00e4nomen, das irgendwie gr\u00f6\u00dfer und besser ist als diese f\u00fcnf Personen?<\/p>\n<p>Damit habe ich mich eine ganze Weile besch\u00e4ftigt. Schlie\u00dflich habe ich einen theoretischen Rahmen entwickelt, der sich meiner Ansicht nach auf jede beliebige Zusammenarbeit von Personen anwenden l\u00e4sst. Dann habe ich begonnen, ihn auf die organisatorische Ebene zu \u00fcbertragen. Bei meiner Forschung zu Theater- und Jazzensembles besch\u00e4ftige ich mich normalerweise mit Gruppen von weniger als f\u00fcnf oder zehn Personen, aber viele Organisationen bestehen aus Tausenden von Menschen. Ich denke allerdings, dass man diesen theoretischen Rahmen auf diese gro\u00dfen dezentralen Netzwerke der Zusammenarbeit \u00fcbertragen kann.<\/p>\n<h2><strong>AH: K\u00f6nnen Sie mir etwas \u00fcber die Idee erz\u00e4hlen, Kreativit\u00e4t sei immer kollaborativ, wenn man allein arbeitet? Was haben Sie damit gemeint? Wie ist das m\u00f6glich?<\/strong><\/h2>\n<p><strong>KS: <\/strong>Ich denke, es ist ein Paradoxon, aber ich wollte mich wegen meiner psychologischen Ausbildung mit diesem Paradoxon besch\u00e4ftigen. Ich interessiere mich f\u00fcr Gruppen, aber ich interessiere mich auch f\u00fcr individuelle Kreativit\u00e4t. Wenn man Beispiele aus dem wahren Leben betrachtet, wird man feststellen, dass selbst dann, wenn jemand eine Idee hat und gerade allein ist, man sie immer auf Interaktionen zur\u00fcckf\u00fchren kann, die vor diesem Moment stattgefunden haben.<\/p>\n<p>Menschen leben ihr Leben und sitzen dabei nie die ganze Zeit \u00fcber isoliert in einer H\u00f6hle. Sie interagieren immer mit anderen Menschen oder besch\u00e4ftigen sich mit deren Ideen. Ideen, die man hat, wenn man allein ist, sind eng mit dem Kollektiv\u00a0\u2013 sozialen Begegnungen auf einer h\u00f6heren Ebene\u00a0\u2013 verbunden. Selbst bei den legend\u00e4ren Momenten, in denen jemand ein Aha-Erlebnis hatte, erkennt man, wenn man ein wenig unter die Oberfl\u00e4che blickt, immer, dass dem Moment eine Zusammenarbeit vorausgegangen ist.<\/p>\n<p>Wir denken oft, Kreativit\u00e4t findet statt, wenn eine brillante Person ein Aha-Erlebnis hat, aber in Wirklichkeit steckt immer eine komplizierte Kette improvisatorischer Interaktionen dahinter. In diesem Sinne ist der Moment der Idee nur ein Moment in einem langen, komplizierten sozialen Prozess.<\/p>\n<h2><strong>AH: Welche Mythen gibt es denn nun \u00fcber Kreativit\u00e4t am Arbeitsplatz?<\/strong><\/h2>\n<p><strong>KS: <\/strong>Ein Mythos \u00fcber Kreativit\u00e4t am Arbeitsplatz besagt, man m\u00fcsse nur sehr intelligente, talentierte Leute einstellen und ihnen dann freie Hand lassen, damit sie kreative Ideen haben. Nat\u00fcrlich sollte man intelligente, talentierte Leute einstellen und ihnen freie Hand lassen, aber das Problem besteht darin, dass man Kreativit\u00e4t mit Einzelpersonen, also den einzelnen Mitgliedern seiner Organisation, assoziiert. Damit meine ich jegliche Art von Organisationen, also Privatunternehmen, Non-Profit-Organisationen\u00a0\u2026<\/p>\n<blockquote><p><strong>\u201eWenn eine Umgebung f\u00fcr Kreativit\u00e4t und Zusammenarbeit in der Gruppe geschaffen werden soll, erscheint Improvisation wie das Gegenteil von Struktur, aber Struktur bildet das Fundament f\u00fcr Improvisation.\u201c<\/strong><\/p><\/blockquote>\n<p>Ganz ehrlich: Alle organisierten Gruppen von Menschen, selbst dezentrale wie soziale Netzwerke, sind eine Art Organisation, die sich aus vielen Menschen zusammensetzt. In diesen Netzwerken interagieren die Menschen fortw\u00e4hrend miteinander. Ich analysiere Situationen, in denen Menschen flexibel und frei miteinander interagieren, sodass Unterhaltungen zustande kommen. Ich habe herausgefunden, dass Organisationen, die sich auf Einzelpersonen konzentrieren, oft weniger kreativ sind als solche, bei denen Zusammenarbeit gro\u00df geschrieben wird.<\/p>\n<h2><strong>AH: Was betrachten Sie als die Verbindungen zwischen Kreativit\u00e4t und Ausbildung und zwischen Kreativit\u00e4t und der Organisation?<\/strong><\/h2>\n<p><strong>KS: <\/strong>Ich verwende einen theoretischen Rahmen, den ich <em>soziale Emergenz<\/em> nenne. Er beschreibt, was aus Interaktionen innerhalb von Gruppen von improvisatorischen und unstrukturierten Personen entsteht.<\/p>\n<p>Ich hoffe, soziale Emergenz wird bei vielen F\u00fchrungspersonen in Organisationen erw\u00fcnscht, weil sie Innovation und Probleml\u00f6sung in Gruppen auf den Punkt bringt.<\/p>\n<p>Aber der von mir entwickelte Rahmen l\u00e4sst sich auch auf Gruppen anwenden, die gemeinsam lernen. Das ist kollaboratives Lernen, egal, ob es sich um eine Gruppe von Sch\u00fclern in einer Klasse, eine Lerngruppe am Wochenende oder ein Lernmanagementsystem handelt, das kollektive Interaktionen unter den Lernenden erm\u00f6glicht.<\/p>\n<p>Die Verbindung besteht darin, dass die effektivsten Gruppen soziale Emergenz erm\u00f6glichen, was wiederum ein Umfeld f\u00fcr diese Merkmale der Improvisation schafft.<\/p>\n<h2><strong>AH: Welche Rolle spielt Technologie dabei, wie F\u00fchrungskr\u00e4fte und Organisationen heute versuchen, Gruppenkreativit\u00e4t zu nutzen?<\/strong><\/h2>\n<p><strong>KS: <\/strong>Ich habe einen Abschluss in Informatik und acht Jahre lang in der Softwareentwicklung gearbeitet, bevor ich mich der Erforschung der Kreativit\u00e4t zugewandt habe. Deswegen halte ich die Augen immer f\u00fcr technologische Neuerungen offen. Es ist wichtig, sich vor Augen zu halten, dass die meisten neuen Technologien die Interaktionen der Menschen untereinander nicht fundamental ver\u00e4ndern. In vielen F\u00e4llen k\u00f6nnte man das auch pers\u00f6nlich machen, vielleicht sogar erfolgreicher als beim sogenannten computergest\u00fctzten kollaborativen Lernen.<\/p>\n<p>Aber einige Technologien k\u00f6nnen die Zusammenarbeit verbessern, und das ist ein Bereich, der zurzeit erforscht wird.<\/p>\n<p>Wenn man die wissenschaftlichen Aspekte menschlichen Lernens und der Interaktion und Zusammenarbeit versteht, kann man ein strukturiertes, ger\u00fcstartiges Interaktionssystem entwickeln, das eine st\u00e4rker improvisierte Zusammenarbeit erm\u00f6glicht. Wenn eine Umgebung f\u00fcr Kreativit\u00e4t und Zusammenarbeit in der Gruppe geschaffen werden soll, erscheint Improvisation wie das Gegenteil von Struktur, aber Struktur bildet das Fundament f\u00fcr Improvisation.<\/p>\n<p>Es kann keine reine Improvisation ohne Struktur geben. Wenn ich mich mit dem Unterricht besch\u00e4ftige, bezeichne ich die Balance zwischen Struktur und Improvisation als <em>gef\u00fchrte Improvisation<\/em>.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.google.com\/books\/edition\/The_Creative_Classroom\/GJGnDwAAQBAJ\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><br \/>\n  <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-380731\" src=\"https:\/\/blog.webex.com\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/The-Creative-Clasroom.jpg\" alt=\"The Creative Classroom\" width=\"492\" height=\"720\" srcset=\"https:\/\/blog.webex.com\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/The-Creative-Clasroom.jpg 355w, https:\/\/blog.webex.com\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/The-Creative-Clasroom-205x300.jpg 205w\" sizes=\"auto, (max-width: 492px) 100vw, 492px\" \/><br \/>\n<\/a><\/p>\n<h2><strong>AH: Wie w\u00fcrden Sie jemandem, der Ihre Forschungsarbeiten zur Funktionsweise von Kreativit\u00e4t nicht gelesen hat, Kreativit\u00e4t erkl\u00e4ren?<\/strong><\/h2>\n<p><strong>KS: <\/strong>Das ist die gro\u00dfe Frage! Ich w\u00fcrde sie eher so formulieren: \u201eWie sieht der kreative Prozess aus?\u201c Davon ausgehend w\u00fcrde ich dann festlegen, was er nicht ist: Er ist <em>kein<\/em> einzelner Moment, in dem jemand eine Idee hat. Ich w\u00fcrde erkl\u00e4ren, wie Kreativit\u00e4t im Zuge eines Prozesses im Laufe der Zeit entsteht. All diese Dinge kann man in der Regel beobachten.<\/p>\n<p>Ich denke, wenn man sich \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum hinweg mit diesem kreativen Prozess besch\u00e4ftigt, kann man erkennen, wie Kreativit\u00e4t wirklich funktioniert. Man erkennt, dass es sich um einen umherschweifenden Improvisationsprozess handelt. Selbst wenn eine Person ihn allein durchl\u00e4uft, ist er nicht linear. Der Prozess verl\u00e4uft im Zickzack. Entsprechend hie\u00df mein Buch aus dem Jahr\u00a02013, in dem es um den kreativen Prozess im Laufe der Zeit ging, auch <a href=\"https:\/\/www.google.com\/books\/edition\/Zig_Zag\/HHXTZtGvczsC\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><br \/>\n <em>Zigzag<\/em><br \/>\n<\/a>.<\/p>\n<div id=\"attachment_380741\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-380741\" class=\"wp-image-380741 size-full\" src=\"https:\/\/blog.webex.com\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Zig-Zag.png\" alt=\"Zig Zag\" width=\"1100\" height=\"941\" srcset=\"https:\/\/blog.webex.com\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Zig-Zag.png 608w, https:\/\/blog.webex.com\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Zig-Zag-300x257.png 300w, https:\/\/blog.webex.com\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Zig-Zag-1024x876.png 1024w, https:\/\/blog.webex.com\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Zig-Zag-768x657.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1100px) 100vw, 1100px\" \/><p id=\"caption-attachment-380741\" class=\"wp-caption-text\"><br \/>\n<\/a> Quelle: eine Werbeanzeige f\u00fcr einen Vortrag von Dr. Sawyer <a href=\"https:\/\/entrepreneurs.princeton.edu\/events\/zig-zag-surprising-path-greater-creativity-keith-sawyer\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier an der Princeton University<\/a><\/p><\/div>\n<p>So funktioniert Kreativit\u00e4t. Ich glaube, es ist wichtig, sich auf den Prozess zu konzentrieren, und dieser Prozess besteht aus vielen kleinen Ideen, winzigen Funken. Keiner davon ist die L\u00f6sung f\u00fcr das Problem, aber jeder Funke tr\u00e4gt dazu bei, Ideen weiterzuentwickeln. Und dann geht es um die vielen Faktoren, die es uns als Einzelpersonen und Gruppen erm\u00f6glichen, diese kleinen Ideenfunken zu entwickeln.<\/p>\n<h2><strong>AH: Was \u00fcbt Ihrer Meinung nach zurzeit den gr\u00f6\u00dften Einfluss auf Teams und ihre F\u00e4higkeit zur kreativen Zusammenarbeit aus?<\/strong><\/h2>\n<p><strong>KS: <\/strong>Ich glaube nicht, dass sich die Zusammenarbeit in Unternehmen im Laufe der Jahrzehnte wirklich grundlegend ver\u00e4ndert hat. Aber wenden wir uns einmal den letzten beiden Jahren zu, in denen die Menschen nat\u00fcrlich nicht mehr so viel pers\u00f6nlich zusammengearbeitet haben. Was Online-Teams angeht: Es gab schon in den 90er Jahren, sogar noch vor dem Internet, erste Forschungsarbeiten zu virtuellen Teams. In einigen F\u00e4llen hat die Forschung gezeigt, dass die Zusammenarbeit in einem virtuellen Team zu mehr Kreativit\u00e4t f\u00fchren kann. Virtuelles Brainstorming kann aus den unterschiedlichsten Gr\u00fcnden viel effektiver sein als pers\u00f6nliches Brainstorming.<\/p>\n<p>Pers\u00f6nlich ist nicht immer besser.<\/p>\n<h2><strong>AH: K\u00f6nnen Sie uns etwas \u00fcber den Zustand des Flow erz\u00e4hlen und erkl\u00e4ren, was er mit Kreativit\u00e4t und Zusammenarbeit in Gruppen zu tun hat?<\/strong><\/h2>\n<p><strong>KS: <\/strong>Der Begriff \u201eFlow\u201c stammt von meinem Doktorvater Mihaly Csikszentmihalyi. Er hat das Wort 1990 mit der Ver\u00f6ffentlichung seines Buchklassikers <a href=\"https:\/\/www.google.com\/books\/edition\/Flow\/QVjPsd1UukEC\">Flow: Das Geheimnis des Gl\u00fccks<\/a> ber\u00fchmt gemacht. Das Buch hat dazu beigetragen, diesen neuen Bereich positiver Psychologie\u00a0\u2013 die Erforschung von Menschen auf dem H\u00f6hepunkt ihrer Leistung\u00a0\u2013 zu verbreiten.<\/p>\n<p>Wenn man etwas tut, bei dem man eine intrinsische Motivation versp\u00fcrt, kommt man in den Zustand des Flows. Wenn man etwas f\u00fcr eine externe Belohnung tut, kommt man selten in den Zustand des Flows. Die Flow-Forschung begann in den 80er und 90er Jahren und fing dann an, die Kreativit\u00e4tsforschung zu beeinflussen, weil es eine wichtige Erkenntnis ist, dass man kreativer ist, wenn man eine intrinsische Motivation hat, eine Aufgabe in Angriff zu nehmen. Ich hatte gro\u00dfes Gl\u00fcck, Csikszentmihalyi als Doktorvater zu haben.<\/p>\n<blockquote>\n<p><strong>\u201eWenn die F\u00fchrungsfunktion an sich kollaborativ wird, k\u00f6nnen gro\u00dfartige Dinge geschehen.\u201c<\/strong><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Als ich meine Studien von Improvisationsgruppen auf organisatorische Teams \u00fcbertragen habe, ist mir aufgefallen, dass in effektiven Gruppen etwas auftritt, das ich <em>Gruppen-Flow<\/em> nenne. Dabei handelt es sich um einen kollektiven Flow, also einen Zustand, den die ganze Gruppe gemeinsam erreicht. Er \u00e4hnelt dem Flow-Zustand bei Individuen. Der Gruppen-Flow ist ein wichtiger Bestandteil von Gruppenkreativit\u00e4t und Zusammenarbeit.<\/p>\n<h2><strong>AH: Was halten Sie f\u00fcr die wichtigsten Fragen, die man stellen sollte, wenn man die Gruppenkreativit\u00e4t f\u00fcr sich nutzen m\u00f6chte?<\/strong><\/h2>\n<p><strong>KS:<\/strong> Zun\u00e4chst einmal: Was kann ich tun, damit die Gruppe kreativer wird? Anders ausgedr\u00fcckt: Was kann ich zu dieser Interaktionsimprovisation beitragen, bei der etwas Gro\u00dfartiges aus der Gruppe hervorgeht? Dabei ist man hoffentlich selbstlos genug, um sich zu w\u00fcnschen, dass die Gruppe, zu der man geh\u00f6rt, Erfolg hat. Das w\u00e4re eine Frage.<\/p>\n<p>Eine weitere w\u00e4re: Wie kann ich in Gruppen hineinkommen, die mich als Individuum kreativer machen?<\/p>\n<p>Allerdings gibt es viele Variationen dieser Fragen. Stellen Sie sich vor, Sie w\u00e4ren der CEO eines Unternehmens und wollten die Zusammenarbeit der Teams in Ihrem Unternehmen verbessern. In diesem Fall m\u00fcssen Sie die Frage ganz anders stellen, als wenn Sie eine Einzelperson innerhalb einer Gruppe w\u00e4ren. Bevor Sie ein Skript verfassen k\u00f6nnen, m\u00fcssen Sie jedoch zun\u00e4chst einmal genau zuh\u00f6ren.<\/p>\n<h2><strong>AH: Haben Sie einen Rat f\u00fcr F\u00fchrungskr\u00e4fte? Wie k\u00f6nnen sie ihre Teams mithilfe von Kreativit\u00e4t optimieren?<\/strong><\/h2>\n<p><strong>KS: <\/strong>Zun\u00e4chst einmal halte ich es f\u00fcr wichtig, dass F\u00fchrungskr\u00e4fte keine individuellen Anreize bieten, die zu Lasten der Anreize f\u00fcr die Gruppe gehen. Wenn der Schwerpunkt darauf liegt, einzelne Personen zu belohnen, kann das dazu f\u00fchren, dass man sich von der Improvisation entfernt, \u00fcber die wir gesprochen haben.<\/p>\n<p>Ein weiterer Punkt ist, denke ich, F\u00fchrungskompetenz oder wie diese in Unternehmen betrachtet und umgesetzt wird. Ich glaube, es ist wichtig, die F\u00fchrungsfunktion nicht mit einer Person zu assoziieren, sondern sie als dezentrales Ph\u00e4nomen zu verstehen, wodurch sie, mal angenommen, agiler wird. Stellen Sie sich vor, sie h\u00e4tten eine dezentrale Struktur und dezentrale Prozesse, bei denen die F\u00fchrungskr\u00e4fte einen Teil der F\u00fchrungsfunktion an andere abgeben.<\/p>\n<p>Wenn die F\u00fchrungsfunktion an sich kollaborativ und in einem gewissen Ma\u00dfe improvisatorisch ist, sodass die F\u00fchrungsrolle selbst emergent wird, k\u00f6nnen gro\u00dfartige Dinge geschehen. Sie entsteht aus den Unternehmen und ist nicht mit der einen Person verbunden, die das gr\u00f6\u00dfte B\u00fcro hat. Diese Art der dezentralen F\u00fchrung wird mit einer kollaborativeren Unternehmenskultur assoziiert.<\/p>\n<p>Ein weiterer Aspekt neben den Anreizen und der F\u00fchrung ist die Kultur. Man m\u00f6chte nicht improvisieren, wenn die Unternehmenskultur das nicht guthei\u00dft oder erwartet, dass man immer genau wei\u00df, was man will, und ganz eindeutig kommuniziert.<\/p>\n<p>Ein vierter Aspekt ist die Unternehmensstruktur. Dieser kann ziemlich kompliziert sein. Ich w\u00fcrde allerdings Strukturen bef\u00fcrworten, die nicht allein auf Funktionsbereichen beruhen und die neu konfiguriert werden k\u00f6nnen. Diese Ideen sind f\u00fcr Menschen, die sich mit Organisationstheorie besch\u00e4ftigen, vielleicht nicht sehr \u00fcberraschend.<\/p>\n<p>Aber ich denke, durch den theoretischen Rahmen von Improvisation und Emergenz, der mir hilft, die Synergien aller Bestandteile zu erkennen, bringe ich diese vier Aspekte in Einklang.<\/p>\n<h2><strong>AH: <\/strong>Haben Sie noch einen letzten Rat f\u00fcr Teams in der modernen Arbeitswelt?<\/h2>\n<p><strong>KS: <\/strong>Ich w\u00fcrde ihnen wohl raten nicht zu vergessen, dass es nicht um sie geht. F\u00fcr Menschen ist es schwierig, den Fokus von sich selbst auf die Welt, vom Individuum auf die Gruppe und von der Idee auf Kreativit\u00e4t als laufenden Prozess zu verschieben. Aber wenn man diese \u00c4nderungen erst einmal vorgenommen hat, erkennt man fast wie von selbst, warum die Gruppe so gut f\u00fcr Kreativit\u00e4t und Zusammenarbeit ist.<\/p>\n<p><strong>***<\/strong><\/p>\n<p><strong>Weitere Informationen zum Thema Zusammenarbeit<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/blog.webex.com\/de\/hybrides-arbeiten\/teamarbeit-im-jahr-2022-warum-sie-so-wichtig-ist-und-4-moglichkeiten-sie-zu-verbessern\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Teamarbeit 2022: Bedeutung und vier Wege, sie zu verbessern<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/blog.webex.com\/de\/videokonferenzen\/fur-effektive-teamarbeit-schalten-sie-ihre-videoubertragung-ein-sagen-die-daten\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">F\u00fcr effektive Teamarbeit schalten Sie Ihre Video\u00fcbertragung ein (sagen die Daten)<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/blog.webex.com\/de\/videokonferenzen\/gemeinschaftlicher-fuhrungsstil-und-die-rolle-der-ki\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Gemeinschaftlicher F\u00fchrungsstil und die Rolle der KI<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/blog.webex.com\/de\/videokonferenzen\/was-ist-zusammenarbeit\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Was ist Zusammenarbeit?<\/a><\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In seinem 2007 ver\u00f6ffentlichten Werk Group Genius: The Creative Power of Collaboration besch\u00e4ftigte sich Dr. R. 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